Macht berühmt.
PR-Agentur für
Themenführer_innen

Sperrt die Journalistenschulen zu

Sie schießen aus dem Boden wie die Schwammerl. Zuletzt auch in Österreich. Journalistenschulen. Als Fachhochschulen. Als Akademien. Als Universitätsinstitute. Der Andrang, so scheint es, ist ungebrochen. Menschen lieben die Idee: Wichtig sein, Journalist werden. So schwappt der Hochschulsektor jährlich einige hundert Absolventen auf einen Markt, der nur Eines nicht verträgt: neue Arbeitssuchende. Der Verdrängungswettbewerb führt zu Dumpinglöhnen, die selbst pleitegeiernden Drogerie-Diskontern die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. Die zahlen ihren Neueinsteigern allemal mehr als die meisten Medienhäuser des Landes.

Die Medienbranche ist mausetot

Wer genauer hinsieht, weiß: Die Branche liegt am Boden, die Gliedmaßen steif zum Himmel gestreckt. Mausetot, würde man sagen. Das AAA haben die meisten Unternehmen außer jeder Reichweite. Ob Zeitungen, Fernsehsender oder Radiostationen: Es gibt alles, nur kein Geld. Oft ist der Computer teurer als der Mitarbeiter, der ihn bedient. Bezahlt wird marginal. Das Prekariat - ein schöner Begriff für unterbezahlte Scheißjobs - ist für den Großteil des Personals zur Norm geworden. Selbst der ORF, glaubt man einem Hilfeschrei der Betroffenen, bezahlt seinen Freien im Radio stolze zehn Euro Stundenlohn. Zehn Euro!

Journalisten unter Schlecker-Tarif

Es entbehrt einer gewissen Ironie nicht. Der Drogerieramscher Schlecker, jetzt insolvent, wird wegen seiner schlechten Mitarbeiterentlohnung seit Jahren gescholten. Völlig zurecht. Bloß jene Menschen, die in Zeitungen darüber schreiben oder im Radio davon reden, sind noch ärmer dran. Sie können von den stabilen Verhältnissen einer Schlecker-Kassierin nur träumen. Journalismus ist für einen erklecklichen Anteil der Medienmitarbeiter zum Hobby verkommen. Ehrenamt mit ein paar Peanuts am Konto.

100 Bewerber für einen Nebenjob

Wer sich umhört, ist baff. Selbst durchschnittlich interessante Nebenjobs werden von gierigen Bewerbern überrannt. Auf eine 30-Stunden-Redaktionsstelle melden sich durchwegs über 100 hoffnungsfrohe Kandidaten. Allesamt Leute mit reichlicher journalistischer Vorerfahrung. Die arbeiten für fast jedes Geld unter fast allen Umständen. Wer heute Medien macht, kann das Gros seiner Mitarbeiter mit unter 1.000 Euro - Honorarsumme, nicht Nettogehalt - abspeisen. Um das kolportierte Honorar eines Magazinherausgebers - unwidersprochene 26.000 Euro pro Monat - kann man heute eine gesamte Redaktion bezahlen. Schandhaft.

Von der Journalistenschule zum AMS

Trotzdem: Die Zahl der Ausbildungsstätten nimmt permanent zu. Journalismus-Akademien aller Provenienzen, die vor allem einen Erfolg haben: Sie bereiten Menschen auf das Arbeitsamt oder das ewige Praktikum vor. Sie erfinden Professionisten, die alles können, nur nicht von ihrem Beruf leben. Wozu der ganze Holler? Sperrt sie endlich zu! Jene Einrichtungen, die überwiegend für das Elend ausbilden. Die Qualität der Lehre ist in der Regel sowieso grottenübel. Und die verlorenen drei, vier oder fünf Jahre holt man durch die beste Umschulung nicht nach. Keine Bange: Die paar guten Journalisten, die einen ebenso guten Platz finden, machen ihren Weg sowieso. Meistens ohne entsprechende Ausbildung.

PS: Wir haben zwischen 2000 und 2010 etliche Lehrgänge für Online-Redakteure veranstaltet. Unter anderem am BFI. Wir sollten das immer noch tun. Aus Sicht der Einrichtungen. Seit zwei Jahren weigern wir uns strikt. Weil: Siehe oben.

Thomas Holzinger am 25.01.2012 | Tags: , ,

Diesen Artikel kommentieren

Kommentare

Bisher hat niemand diese Seite kommentiert.

RSS Feed für die Kommentare auf dieser Seite | RSS feed für alle Kommentare