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Von viel und zu viel Kommunikation

Facebook, Twitter, Google+, Webseite, Firmenzeitung, Presseaussendung, Newsletter. Und so weiter. Die Vielfalt der Kanäle nimmt ständig zu. Nicht nur für die Kommunikatoren. Auch für jene, die das alles lesen sollen. Die Aussicht eines durchschnittlich mediengeilen Menschen wird durch immer mehr Medien verstellt. Wer alles liest, was kommt, wird verrückt. Fernsehen, Internet, Mail-Eingang, Tageszeitung, Wochenzeitung, Gratiszeitung. Der Gesamtleseaufwand für alles, was uns täglich erreicht, würde vermutlich mehrere Wochen füllen.

Nein zur Infoflut

Überforderte Konsumenten haben eine einfache Strategie zur Hand: Verweigerung. Aus Lesen wurde Querlesen. Aus Querlesen wurde Scannen. Aus Scannen wurde Weglegen. Die absolute Mehrheit der Dinge, die uns täglich angeboten werden, landen heute ungesehen im Müll. Eine einfache Rechnung ergibt: Wer Kabel oder Satellit zu Hause hat, sieht über 99 Prozent des angebotenen Programms nicht. Ein ähnliches Verhältnis darf man für gedruckte Information annehmen. Im Internet ist sowieso jede Rechnung sinnlos. Die Funktion der Trennung von Wichtigem und Unwichtigem - einst Leistung von Journalisten und Medien - ist längst privatisiert. In der Menge der Infoeinheiten ist jeder seine eigene Schleuse. Und die ist allzu oft abgeriegelt.

Strategien gegen verstopfte Leitungen

Was also tun? Als Institution, die kommunizieren will. Die Kunden erreichen will. Die sich im Gedächtnis halten will. Die vorhandenen Kanäle noch weiter verstopfen? Oder innehalten? Abwarten? Gar nichts tun? Guter Rat ist nicht teuer, weil schlicht nicht vorhanden. Die beste Strategie im täglichen Kommunikationsdschungel ist noch nicht gefunden. Jedenfalls gilt: Wer die Inflationswelle nicht noch weiter aufpeitschen möchte, schwimmt in der immer größeren Nachrichtenflut nicht mit. Pritscheln bis zum Untergang?

Denkmalpflege statt Marktschrei

Intelligente Kommunikation bleibt im Hintergrund. Sie schafft ein Angebot, eine laufende Geschichte. Wer weiß, was einmal wichtig wird? Die laufende Pflege der eigenen Geschichte nimmt an Bedeutung zu. Selbst wenn die Einzelmaßnahme unentdeckt bleibt. Marktschreier haben ausgedient. Wenn alle plärren, ist die einzelne Stimme nicht mehr zu hören. Stille als Programm ist in Zeiten der Kommunikationsüberforderung nicht der schlechteste Weg. Produzieren für das eigene Archiv. Wie ein Lexikon, wie Wikipedia, das sich als zeitloses Angebot versteht. Kein Mensch liest es von A bis Z durch.

Weniger bleibt mehr

Am Punkt bleiben. Die einzige Strategie, die sicher gilt. So viel, wie gut tut. Aber was tut gut? Wann sind Kunden überfordert? Die einfache Formel für die Jackentasche gibt es nicht. Ein Zugang hilft bestimmt: Weg von der Penetration, hin zur Nachfrage. Menschen wollen Info nur dann, wenn sie benötigt wird. Nützlich erscheint. Selbstbewusste Nutzer suchen unaufdringliche Information. Die Kunst für die Zukunft: Immer da sein, wenn man gebraucht wird. Schön verdeckt bleiben, wenn man lästig wäre. Einfache Weisheit, komplizierte Umsetzung. Der Weg zur neuen Kommunikationslandschaft erfordert Umdenken. Auch in der Menge der hinausgeblasenen Neuigkeiten. Etliche Information fließt zunächst ungesehen ins Archiv. Dort bleibt sie, bis sie gebraucht wird. Weil heute gilt, was immer galt: Genug ist genug und Zuviel macht Magenschmerzen. Auch bei Nachrichten.

 

Thomas Holzinger am 01.09.2011 | Tags:

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